Am 30. Januar 2019 zeigten die Schüler des P-Seminars „Fremdsprachenkino FLG“ ihren ersten Film des Jahres im Odeon Programmkino: „Colonia Dignidad“. Horst Rückert, der sich seit Jahren intensiv mit der Colonia Dignidad beschäftigt und über diese auch das Buch „Das Blendwerk: Von der ‚Colonia Dignidad‘ zur ‚Villa Baviera‘“ geschrieben hat, war am Vormittag in das Franz-Ludwig-Gymnasium gekommen, um dort einen eineinhalbstündigen Vortrag über die Sekte zu halten. Herr Rückert, damals Schulleiter einer Deutschen Schule in Chile, kam erstmalig 2003 in Kontakt mit Opfern der Colonia Dignidad und begann nach seinem ersten Besuch in der „Villa Baviera“ zu recherchieren.
Das P-Seminar sowie die Spanischschüler unserer Schule waren zu dem Vortrag eingeladen und profitierten von den vielfältigen Details und Hintergrundinformationen zur Colonia, die Herr Rückert vorstellte. Beispielsweise gebe es bis heute noch immer keine angemessene Bestrafung und Aufarbeitung der langjährigen Gewalttaten oder gar der Verwicklungen der chilenischen Regierung und Geheimdienste. Durch seine anschaulichen Erläuterungen konnten die anwesenden Schüler eine gute Vorstellung vom bedrückenden und gewalttätigen Alltag in der Sekte gewinnen. Bei vielen war nun das Interesse für sein Interview und den Film im Odeon Kino am Abend geweckt.

Der Filmabend begann mit der Begrüßung und Vorstellung Herrn Dr. Rückerts durch die Seminarleiterin Frau Sage vor etwa 90 Besuchern im Kinosaal des Odeon. Johanna Gleiß führte zunächst eloquent auf Englisch in den Film ein, der im englischen Original mit Untertiteln gezeigt wurde.
In dem anschließenden Interview befragten Jule Knörrlein und Lea Herrmann Herrn Dr. Horst Rückert zu seinen Beweggründen für seine Recherchen zur Colonia Dignidad. Er beschrieb, wie sein Interesse durch den Kontakt mit den Opfern der Sekte geweckt worden war und wie er seither die Hintergründe und Mythen, die sich um diese Sekte ranken, aufzudecken versuche. Ausdrücklich wies Herr Rückert hin auf die Verstrickungen der Colonia mit den damaligen chilenischen Machthabern sowie auf die unrühmliche und noch weitenteils nicht aufgearbeitete Rolle der deutschen Botschaft.

Auf die Frage, ob die Darstellung der Colonia Dignidad im Film realistisch sei und ob man wirklich die Möglichkeit hatte (wie im Film dargestellt) zu fliehen, stellte Herr Rückert klar, dass er nur von zwei gelungenen Fluchtversuchen in zwei Jahrzehnten wisse – und dass der jahrelange sexuelle Missbrauch aller Jungen sowie weitere alltägliche Gewalttaten in der Sekte im Film eher angedeutet oder in abgemilderter Form gezeigt würden. Unter großem Applaus und mit herzlichem Dank aller Schülerinnen und Schüler des P-Seminars wurde Herr Rückert verabschiedet.

Der nachfolgende Film fesselte und bedrückte gleichermaßen und viele Zuschauer verließen danach schweigend den Kinosaal. Diese Veranstaltung des P-Seminars hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.