Zu einer Reflexions- und Best-Practice-Veranstaltung kamen die Schüler des FLG Ende Oktober zusammen, die bei FridaysForFuture aktiv waren/sind und in diesem Zusammenhang Unterricht versäumten.

In einer ersten Phase dieses Treffens in der Aula stellten die Schüler mit Herrn Eichiner gemeinsam Überlegungen zum Zusammenhang zwischen Klimawandel und ethischen bzw. gesellschaftspolitischen Kategorien wie Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Fairness an. Hier kam man zu dem Ergebnis, dass es in Anlehnung an Generationengerechtigkeit durchaus berechtigt ist, von „Umweltgerechtigkeit“ bzw. „Klimagerechtigkeit“ zu sprechen.  

Als nächstes wurden die Schüler gebeten, ihre Meinung in einer kurzen Umfrage zu äußern. Die folgenden drei Fragen standen dabei im Mittelpunkt:

Ich bin der Meinung, dass die Politik viel mehr tun muss gegen den Klimawandel. Ich bin der Meinung, dass jeder viel mehr tun muss gegen den Klimawandel.Ich bin der Meinung, dass ich viel/deutlich mehr tun muss gegen den Klimawandel.

Die Überlegung, die hinter der Umfrage stand, war, zunächst einmal aufzuzeigen, dass unterschiedliche Akteure den Klimawandel beeinflussen und dass diese Akteure demzufolge zugleich die Adressaten sind, an die man sich wenden muss, will man aktiv und mit gesellschaftlicher Wirkung gegen den Klimawandel vorgehen.

Weil sich nicht jedes Mittel, dessen man sich als „Klimaaktivist“ bedient, für jeden Adressaten gleichermaßen eignet, um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen, muss man die Mittel dem Adressaten anpassen. Gemeinsam sammelten wir Ideen, um adressatengerecht wirksam zu werden im Sinne der Zielsetzung „Nachhaltigkeit“ und „Klimaschutz“.

Dann stellten die Schüler Best-Practice-Beispiele vor. Als Maßnahme für den versäumten Unterricht sollten die Schüler auf einem Dokumentationsbogen außerschulisches Engagement für Klima- und Umweltschutz dokumentieren. Diese über 70 Bögen wurden ausgewertet und nach Kategorien des Umwelt- und Klimaschutzes geordnet. Ausgangspunkt der Dokumentation war immer die Frage: „Was kann ich konkret tun? Welchen Beitrag kann ich leisten?“ Folgende Handlungs-Kategorien für die Bereiche, in denen jeder Einzelne einen Beitrag zu leisten vermag, kristallisierten sich heraus:  

  1. Spende
  2. Kontakt mit Politik
  3. Information anderer Menschen
  4. Kompensation eigenen Mobilitäts-Verhaltens
  5. Sensibilisierung anderer für Nachhaltigkeit
  6. Hinterfragen eigenen Verhaltens und Zielsetzung „Nachhaltiges Leben“
  7. Selbstinformation
  8. Aktivität in Aktionsgruppen
  9. Kontakt mit Verwaltung
  10. Selbstproduktion – Konsumverhalten
  11. Religion und Umweltschutz
  12. Konkrete Umweltschutzaktion

Zu jeder dieser Kategorie stellten Schüler, die Herr Eichiner benannte und bat, nach vorne zu kommen, ihre Aktionen und ihr Engagement vor. Im Anschluss beantworteten die Schüler Fragen aus dem Publikum und tauschten sich z.B. über die Wirkung und Funktion ihres Engagements, über die Motivation ihres Handelns oder Fragen der praktischen Umsetzung aus.

Die folgenden Beispiele sollen zeigen, welch breites Spektrum an Aktivität und Engagement, aber auch mit welcher Ernsthaftigkeit Schüler des FLG sich für die Umwelt einsetzen. Schüler*innen

  • verzichten auf Weihnachtsgeschenke und spenden stattdessen an eine Umweltorganisation (Kategorie 1)
  • nehmen Kontakt mit der Abgeordneten Lisa Badum auf und dokumentieren das Interview (Kategorie 2)
  • initiieren, organisieren und veranstalten einen Vortragsabend am FLG mit dem Klimawissenschaftler Prof. Dr. em. Foken am 26.11.2019 (Kategorie 3)
  • kompensieren bei www.atmosfair. das eigene Mobilitätsverhalten oder das der Familie; einigen sich familiär bewusst auf eine Zug- statt Autoreise an das Urlaubsziel (Kategorie 4)
  • führen eine Umfrage zum Handygebrauch und zum Handykauf durch, um die Befragten zu sensibilisieren; drehen ein Video mit Tipps zum umweltkonformen Handeln und verbreiten das in ihrer „Peergroup“ (Kategorie 5)
  • Hinterfragen ihr eigenes Verhalten, indem sie den Spritverbrauch des Familienautos berechnen (Kategorie 6)
  • Informieren sich selbst über die Umweltproblematik und den Klimawandel (Kategorie 7)
  • Engagieren sich bei Fridays for Future und produzieren Podcasts zu Umweltthemen. Nehmen Kontakt mit Greenpeace Bamberg auf (Kategorie 8)
  • treffen sich mit dem Klimaschutzbeauftragten des Landkreises Bamberg, Herrn Robert Martin, und sprechen mit ihm über geeignete Maßnahmen des Klimaschutzes und über den diesbezüglichen „Stand der Dinge“ im Landkreis (Kategorie 9)
  • stellen selbst nachhaltiges Putzmittel, Waschmittel, Kosmetikprodukte etc. her; achten sehr genau auf die Vermeidung von nicht-nachhaltigen Verpackungen, Gegenständen etc. (Kategorie 10)
  • engagieren sich im Rahmen ihrer Glaubensüberzeugung bei Gemeindeveranstaltungen und in der Kinder- und Jugendarbeit im Sinne des Klimschutzes (Kategorie 11)
  • initiierten und führten konkrete Umweltaktionen durch, indem sie im Urlaub (!) am Strand mit der Familie Müll sammeln oder sich in der Kommune mit anderen zu einer Müllaktion verabreden

Abschließend sammelte die Gruppe weitere Ideen, um die Möglichkeiten klimabewussten Handelns zu multiplizieren – und zwar innerhalb wie außerhalb der Schule. So wurde vereinbart, eine Infowand in der Pausenhalle aufzustellen mit regelmäßigen Informationen zur Thematik, eine Gruppe zu bilden, die Apps erprobt, mit denen man einen Beitrag zum Klimawandel leisten kann (wie z.B. Ecosia, ToGoodtoGo, CodeCheck, Replace Plastic, klimakollekte, myClimate, atmosfaire etc.), Mottotage etc.   

Alle Anwesenden hatten das Gefühl, dass es gut war, sich zu treffen und auszutauschen, um sich gegenseitig an Ideen und Gedanken zu bereichern, Gleichgesinnte zu finden, mit denen man weiter arbeiten und sich innerhalb der Schule vernetzen kann. Außerdem erfuhren alle die entsprechende Wertschätzung für ihr Handeln, indem ihnen allen großer Applaus gespendet wurde. So diente der Nachmittag nicht nur der Sammlung und Auswertung umweltaktiven Engagements, sondern auch der Ideenfindung und schlussendlich der Selbstvergewisserung über das eigene Handeln. Schließlich wurde von mehreren Schülern der Wunsch nach weiteren so gestalteten Treffen ausgesprochen. (M. Eichiner)