Man traut sich kaum, das Wort „Glück“ zu verwenden, wenn man an Georg Loble, den ehemaligen Schüler des FLG, denkt. „Glück“ mag dabei gewesen sein, hat man als jüdischer Schüler die Zeit von ca. 1933 -1945 überlebt; allein, es wird dem, was George Loble damals erlebte, nur unzureichend gerecht.     

George Loble musste 1938 zu Beginn der II a (6. Jahrgangsstufe) das FLG verlassen. Der damals 12-Jährige floh mit seinen Eltern aus Deutschland, entkam der Verfolgung – glücklicherweise! Heute lebt er, 92-jährig, in Gateshead (England). Wir stehen in Email-Kontakt mit ihm.   

Enge Verwandte von George Loble dagegen wurden in Konzentrationslagern ermordet. So zum Beispiel Betty Fried, seine Oma mütterlicherseits, sowie Karoline Loebl, die Großmutter väterlicherseits. Beide wurden – hochbetagt –  1942 erst nach Theresienstadt deportiert und schließlich im Vernichtungslager Treblinka ermordet.

Für beide gibt es keine Gräber. Die Stolpersteine in der Promenadenstraße bzw. Luitpoldstraße in Bamberg stellen die einzige Form des Andenkens für die heute fast in aller Herren Länder verstreute Familie Loble (Loebel) an ihre Verwandten dar.

Insbesondere das Gedenken an ermordete jüdische Mitschüler und an Menschen, die der NS-„Rassenideologie“ zum Opfer fielen, wollen wir als Schule und vor allem als Gruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ aufrechterhalten und pflegen. Aus dem Grund brachten Ethik-Schüler der 10. Jahrgangsstufe sowie Schüler der AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ kurz vor den Ferien den Stolperstein für Betty Fried auf Hochglanz, sprachen über historische Aspekte jener Zeit, über Todeslager wie Treblinka und andere Konzentrationslager und die Bedeutung heutigen Gedenkens; nach einer Gedenkminute legten wir weiße Rosen nieder. Leider war der Zugang zum Stolperstein von Karoline Loebel in der Luitpoldstraße wegen Bauarbeiten versperrt – wir holen aber nach, was wir auch dort vor hatten.   

George Loble hat sich in einer Email für unsere Aktion bedankt:

„[…] Vielen, herzlichen Dank fuer diese e-mail und die
schoenen Fotos mit Ihren Schueler  und Schuelerinnen
bei ihrer Arbeit an meiner Grosmutter Fried’s Stolperstein.

Die Fotos von einem glaenzenden Denkmal und die bedachten
Rosen machen eine richtig wuerdige Veranstaltung.

Leider kann weis ich nicht wie lange Grossmutter Fried in
der Promenade gewohnt hat. Ich war damals 12 Jahre alt
und wir lebten in sehr gefaehrteten Zeiten.

Vielen Dank, dass Sie auch Grossmutter Loebl’s Stolperstein
bearbeiten werden, wenn das moeglich ist. Sie hatte 8 Enkel.
Von diesen sind jetzt, mit mir, nur 3 am Leben. Werner (92), in
Jerusalem und Lili  (89) in London. Ich werde Ihre e-mail, mit
Fotos, an Beide weiter leiten.

Es hat meine Familie und mich sehr gefreut, dass die Leben unserer
Grossmuetter nicht vergessen werden und ihre Andenken von jungen
Bamberger gepflegt werden.

Bitte geben Sie unseren Dank weiter, an Ihre Schueler und Schuelerinnen.Es tut mir leid, dass ich  das nicht persoenlich machen kann, aber mit meinen 92 Jahren, ist reisen in der Vergangenheit.

Mit besten Gruessen und Wuenschen an Alle, Ihr George Loble“

 

M. Eichiner