Sage  und schreibe 74 Weihnachts-Pakte kamen seitens der FLG-Schulfamilie für die Weihnachtstrucker-Aktion der Johanniter zusammen. Wir sind stolz und freuen uns über den Zuspruch zu dieser Schüler-Initiative des Wahlunterrichts „SoR – Schule mit Courage“ 

An Weihnachten nahestehenden Menschen etwas zu schenken, ist für die meisten von uns eine alljährliche und selbstverständliche Tradition. Bei aller Individualität des Schenkens könnte man selbstkritisch eine gewissen Routine feststellen, eine Art konditionierte Erwartungshaltung und Erwartungserfüllung. Oder etwa nicht? Ganz ehrlich?

Und was schenken wir uns nicht alles: Schöne Dinge, individuell Gewünschtes, Bücher, Spiele, Schöngeistiges, Praktisches, ausgewählte Kleidungsstücke –  wohl kaum aber ein Pfund Zucker, ein Kilo Mehl oder ein paar Packungen Kekse. An die Eignung als Weihnachtsgeschenk stellen wir schon andere Forderungen. Sonst ist die Enttäuschung groß.  

Die Weihnachtspaketaktion der Johanniter, an der wir als Schule teilnahmen, hat uns einen wirklich passenden Impuls mit auf den Weg in die stillen Tage gegeben. Warum?

Die Paketliste, nach der wir die Päckchen befüllten, wies vorrangig Dinge der Daseinssicherung auf, die für uns untereinander als Geschenk kaum in Frage kämen: Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Öl, Nudeln u.ä. Daneben nur wenige Dinge, dich man als Utensilien einer würdevollen Lebenspraxis bezeichnen kann: Zahnpasta, Handcreme. Für Kinder: Ein Malblock und ein Stofftier.   

Dass solcherart gepackte Päckchen mit für uns selbstverständlichen Dingen des Alltags und von geringem Wert mitten in Europa – und in der Europäischen Union – eine Hilfe zur Existenzsicherung darstellen, stimmt schon nachdenklich. Ein Pfund Mehl, das etwas Warmes auf den Tisch kommt. Zucker, dass etwas gebacken werden kann –  von dieser Wirklichkeit sind wir glücklicherweise weit weg. Allerdings nicht in geographischer Hinsicht zu den Zielregionen der Pakete, nämlich  Bosnien, Rumänien, Bulgarien, Albanien und die Ukraine.   

Natürlich sind uns soziale Unterschiede in Europa theoretisch bewusst. Aber die konkrete Beschäftigung mit den Päckchen machte uns das sehr augenscheinlich. Es ist dabei ja weniger das Wohlstandsgefälle als solches, sondern das Niveau der Zielregionen. Ein Niveau, auf dem man sich also über Vitamintabletten, Zahnpasta und ein paar Tafeln Schokolade freut. Als Weihnachtsgeschenk.    

M. Eichiner