Zum ersten Projekttag im Rahmen unserer Klimawaldinitiative fuhren die 10 Schüler*innen des Wahlunterrichts „Klimawaldinitiative“ nach Weipelsdorf.

Ziel war das alte Forsthaus, oberhalb des Dorfes, idyllisch am Waldrand gelegen. Um 1900 erbaut, erstrahlt es heute in neuem Putz, als Amtssitz des städtischen Forstamtes, das als Treuhändler das Forstwesen aus der 800 Jahre alten Bamberger Bürgerspitalstiftung verwaltet.  

Dort traf sich die Schülergruppe mit dem Leiter des städtischen Forstamtes, Johannes Hölzel und zwei seiner Mitarbeiter, Christian und Jonas, und Herrn Hölzels Spür- und Fährtenhund,  der  besonders erfreut war über den Besuch der Schülergruppe und es sich nicht nehmen ließ, Besitzansprüche auf die erste Wurstsemmel zu erheben, die im Umlauf war. 

Bei schönstem Herbstwetter stellte uns Johannes Hölzel den Plan des Nachmittags, wie er auch im Elternbrief des FLG beschrieben wurde, vor: Baumsamenaufbereitung sowie Eichelnsammeln. Dazu teilten wir uns später in zwei Arbeitsgruppen a 5 Schüler auf.

Zunächst erklärte Herr Hölzel uns, wie wertvoll und wichtig die Tätigkeiten seien, mit denen wir den Nachmittag verbringen würden. Es gehöre zum nachhaltigen lokalen Aufforsten in der Region Bamberg, dass vor allem Baumsamen der Weißtanne, der Douglasie und auch der Eiche die Grundlage eines klimaresistenten Mischwaldes seien. Gerade die selbstgezogenen Bäume weisen das Potential auf, einen spezifischen Beitrag zu einem klimaresistenten Mischwald zu leisten. 

Dass das jahrhundertelang völlig selbstverständliche Eichelnsammeln per Hand bzw. mit Rechen und Schaufeln der erste Schritt sein würde, um einen gesunden und überlebensfähigen Wald zu erschaffen, der die nächsten hunderte von Jahren Bestand haben würde, konnten wir in diesem Moment – sprichwörtlich – mit den Händen greifen.

In welchen Dimensionen wir auf dem Zeitstrahl des menschlichen Lebens und der Vegetation tatsächlich handeln, machte uns Herr Hölzel bewusst, indem wir das Alter einer frei stehenden Eiche, deren Eicheln wir sammelten, schätzen sollten – es seien nur die ersten ca. 120 Jahre von gut und gerne 300 oder mehr Jahren, die dieser Baum auf dem Buckel habe. Mehr würden es nur, wenn der Klimawandel es zuließe. Spätestens hier wurde uns allen klar, dass unsere Tätigkeit weit über unser eigenes Leben und das unserer Kindeskinder hinausgeht. 

So sammelten wir fleißig eimerweise Eicheln vom Boden auf, Bengin und Oskar durften zu ihrer Freude mithilfe des zweitakt-motorisierten Laubbläsers die Eicheln unter dem Laub des Waldboden sichtbar machen, so dass wir noch mehr auflesen konnten. Der Kipper des Forstamtes wurde zwar nicht voll, aber die Ausbeute konnte sich sehen lassen.

Währenddessen bereitet die andere Gruppe auf dem Dachboden des Forstamtes unter Anleitung von Jonas Weißtannensamen auf.

Die Tannenzapfen wurden im Vorfeld von speziell ausgebildeten Baumkletterern im Auftrag des Forstamtes geerntet. Diese Vorgehensweise ist der Tatsache geschuldet, dass man die Tannenzapfen ernten muss, bevor sie vom Baum fallen, da sich dadurch die Flügelsamen von den Deckschuppen lösen und in alle Winde zerstreut werden.   

Auf mit Plastik-Planen ausgelegten Bereichen auf dem Dachboden lagerte das Gemisch von zertretenen Tannenzapfen, Deckschuppen, Zapfenspindel, Samen und Samenflügel, um zu trocknen und nun von uns gesiebt zu werden. Ziel war es, den wertvollen Samen, vom Rest zu trennen. Mit dem einfachen Prinzip, dass die kleinen Samen, die an Flügeln anheften, durch den Sieb flattern, bleibt so das wertvolle Samenmaterial am Boden liegen, wo es dann vorsichtig aufgekehrt und von uns in Säcken gesammelt wird. Das staubte ganz schön, und Harz und Öle verströmten einen intensiven Duft wie beim Saunaaufguss oder wenn man müde Muskeln mit Latschenkieferessenz einreibt. Die selbstgezimmerten Siebe aus Holz hatten auch ihr Gewicht, so dass fast jeder – Herr Eichiner eingeschlossen – merkte, dass körperliche Arbeit entsprechende Muskulatur oder Training erfordert. Wer genau hinsah, sah das Schmunzeln auf Jonas`Gesicht, Herrn Hölzels Mitarbeiter, der uns anspornte „alles“ zu geben. Das nahmen wir natürlich sportlich.     

In den Samen steckt tatsächlich ein durchaus nicht geringer ökonomischer Wert, denn 1 kg Weißtannensamen wird für ca. 120 Euro gehandelt. Etwas weniger wert sind rein ökonomisch Eicheln. 1 Kilogramm Eicheln erzielt bei guter und reiner Qualität ca. 5 Euro.

Am Ende unserer praktischen Tätigkeiten pflückten wir ziemlich schmackhafte Äpfel von einem der forsteigenen Apfelbäume, die sicherlich Gütesiegel des biologischen Landbaus erfüllen würden. „Echte“ Natur kann so lecker sein!    

In der kurzen Erfahrungsrunde bedankten sich Johannes Hölzel und seine Mitarbeiter für unseren Einsatz ganz herzlich. Er betonte, dass wir eine echte Hilfe seien, dass wir Arbeiten verrichteten, die sie ansonsten alleine leisten müssten.

Zu guter Letzt kam unser Sack mit Weißtannensamen auf die Waage: Über 20 Kilo produzierten wir an diesem Nachmittag. Mit der Erfahrung, dass wir etwas Sinnvolles, etwas Generationenübergreifendes und Nachhaltiges auf die Beine stellen, fuhren wir zufrieden mit dem Bus zurück ans FLG.

Vielen Dank an diese tolle Gruppe: Max, Paul, Hannah, Helena, Judith, Bengin, Oskar, Reka, Ken und Tabea. Und Bengin und Oskar hatten am nächsten Tag sogar noch Matheschulaufgabe – Respekt! 

Das war der erste Schritt – und nur der Anfang. Wir forsten auf! Gemeinsam und nachhaltig!

M.Eichiner