Sommerkonzert des FLG am 2. Juli 2026
Von Japan nach Afrika und dann schon wieder in Schweden – und das alles innerhalb weniger Minuten. Wo gibt’s denn sowas? Nur im Pausenhof des FLG, wenn das lange erwartete Sommerkonzert die dichtgedrängten Zuhörer mitnimmt auf eine Reise durch Raum und Zeit.

Abflug war in einer nicht namentlich genannten, vermutlich amerikanischen Großstadt mit den funkigen Grooves und sehr druckvollen Bläsersätzen der bestens eingespielten Bigband unter der Leitung von Kerstin Sengewald. Die erste Station Japan ließen die zauberhaften Stimmen des Unterstufenchors mit dem Volkslied „Akai Hana vor Ohren und Augen der Gäste erstehen. Um gleich danach mit Hilfe der magischen Hände ihrer Chorleiterin Susanne Hofmann alle mit zu einer Expedition ins Reich des Königs der Löwen zu nehmen. Ihre Hände lotsten dann auch das Instrumentalensemble bis nach Schweden, mit einem Medley bekannter ABBA-Hits. Dass dabei einige Notenblätter von den Pulten flogen, ist bei einer derart stürmischen Reise kein Wunder. „Mamma mia, was für ein Wind“, kommentierte sehr passend Anna Bartkiewicz, gemeinsam mit Anna Schall das Moderatorinnen-Duo Anna & Anna, welches charmant und witzig durch den Abend führte.

Aber die begeisterten Zuhörer konnten nicht nur in verschiedenste Länder reisen, sie wurden auch in länger oder kürzer zurückliegende Epochen versetzt. Bis ans Ende des 16. Jahrhunderts wagte sich das Vokalensemble mit dem Lied „Come again, sweet love“ von John Dowland. „The Sound of Silence“ von Simon and Garfunkel ist dagegen zwar deutlich jünger, für Ohren älterer Radiohörer aber vielleicht dennoch etwas ergraut und faltig. Umso schöner, wenn es dank der neun jungen Stimmen unter der Leitung von Melanie Imhof so frisch und lebendig klingt. Das Orchester stellte die Zeitmaschine auf Mitte des 19. Jahrhunderts und brachte von dort die schwungvolle „Tritsch-Tratsch-Polka“ mit. Die Schreibmaschine, die im Stück „Typewriter“ einen überraschenden Gastauftritt als Percussion-Instrument hatte, hat es wohl unterwegs auf dem Rückweg in die Gegenwart mitgenommen.

Neben den etablierten Ensembles wagten sich auch bei diesem Sommerkonzert einige mutige Solistinnen und Solisten auf die Bühne. Franziska Ditterich, Maia Schumacher und Katja Wollenschensky bezauberten mit dem gefühlvollen „Falling Slowly“ des Iren Glen Hansard. Auch das Duo Johannes Aßmann an der E-Gitarre und Carla Höchtl am Mikrofon harmonierte so schön, dass der Refrain von Nancy Sinatras „Bang Bang“ nicht nach Schüssen, sondern nach Herzklopfen klang. Die neu gegründete Schulband unter der Leitung von Vincent Raffel hatte sich Lieder von Tracy Chapman, Tom Petty und den Cranberries ausgesucht, die alle mindestens 20 Jahre älter waren als die Musiker. So überzeugend gespielt und gesungen klangen sie aber wie gerade für sie geschrieben.

Richtig voll wurde es auf der Bühne mit dem großen Chor. Und dann noch voller, als zum Finale „A Million Dreams“ zusätzlich der Unterstufenchor und weitere Musiker dazukamen. So konnte man eindrucksvoll sehen, was man bei allen Darbietungen zuvor natürlich auch schon erahnen konnte: Ein Konzert ist nicht nur eine Reise für die Zuhörer, sondern auch der Endpunkt einer langen Reise für die Musikerinnen und Musiker, Sängerinnen und Sänger. Damit aus so vielen Stimmen, so unterschiedlichen Instrumenten ein gemeinsamer Klang wird, muss man sich aufeinander zubewegen und eine gemeinsame Richtung finden. Damit „Bella Ciao“ (gesungen vom großen Chor unter der Leitung von Melanie Imhof) so umwerfend klingen kann wie an diesem Donnerstag im Pausenhof, waren viele Proben nötig, in den Tagen zuvor und bei der Orchesterfahrt in Hammelburg und in den Wochen davor. Ermöglicht wird das alles nur durch das Engagement der Musiklehrerinnen Melanie Imhof, Susanne Hofmann und Kerstin Sengewald. „Gib mir nur ein Wort“, sang der Chor. Widerspruch: Gebt uns wieder so ein schönes Konzert!

Text:  Alexander Frank  Fotos: Ulli Koch