Theater im Gärtnerviertel & Franz-Ludwig-Gymnasium setzen auf neue Perspektiven

Mit der aktuellen Inszenierung Max Frischs Andorra setzt das Theater im Gärtnerviertel (TiG) gemeinsam mit dem Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg ein starkes Zeichen für kulturelle Bildung, gesellschaftlichen Diskurs und innovatives Theater.

Ein Stück mit zeitloser Relevanz

Andorra von Max Frisch stellt auch über sechs Jahrzehnte nach seiner ersten Veröffentlichung universelle Fragen nach Identität, Vorurteil, sozialen Zuschreibungen und individueller Verantwortung. Im Mittelpunkt der Handlung steht Andri, ein junger Mann, der jüdischer Pflegesohn des Lehrers Can in Andorra aufwächst – ein Narrativ, das Andris Selbstbild bis zur Selbstaufgabe prägt. Frischs tiefgründige Parabel aus dem Jahr 1961 lenkt so zeitlos aktuell den Blick auf die perfide Macht des Vorurteils mit seinen Mechanismen von Ausgrenzung, Sündenbockdenken und gesellschaftlicher Schuld.

Kooperation mit dem Franz-Ludwig-Gymnasium

In der aktuellen Produktion des TiG, die in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern des Franz-Ludwig-Gymnasiums entstand, wird diese Thematik bewusst nicht nur auf der Bühne verhandelt, sondern öffnet sich für die Perspektive des Publikums. Dadurch entsteht ein vielstimmiger Dialog zwischen Darbietung und Betrachtung.

Aus der Zuschauerperspektive greifen die mitwirkenden Oberstufenschülerinnen und -schüler reflektierend und interpretierend in das Spiel ein und machen die zeitlose Relevanz des Stücks für den Zuschauer zusätzlich hörbar:

Wie gehen wir heute mit dem „Anderssein“ um?

Wie treten wir heute Antisemitismus, Hass und Gewalt wirksam entgegen?

Und: Wie überzeugen wir nachfolgende Generationen vom Wert einer offenen Gesellschaft, von der der Philosoph Karl Popper immer sprach?

Während der intensiven Probenphase dieser außergewöhnlichen Kooperation war auch der Bayerische Rundfunk zu Gast, um über das Projekt zu berichten. Mit diesem Link gelangen Sie zum Beitrag in der Frankenschau: Max Frischs Andorra in Bamberg neu interpretiert

Nach der Premiere, die am 13.02.2026 in der Aula vor vollem Haus standfand, spendete das anwesende Publikum der Regisseurin Nina Lorenz, dem Theaterensemble des TiG und den Schülerinnen und Schülern Standing Ovations für die besondere Form des Miteinanders von professioneller Theaterarbeit, schulischer Beteiligung und gesellschaftlicher Reflexion.

Herzlichen Dank allen, die dieses wundervolle Theaterprojekt möglich gemacht haben: Insbesondere danken wir Nina Lorenz, Valentin Bartzsch, Johanna Knefelkamp sowie Aline Joers für die Inspiration und Tatkraft bei der Umsetzung, dem Ensemble für eine beeindruckende Schulspielkunst und allen helfenden Händen, Förderern und Sponsoren für die Unterstützung bei der Realisierung.

Weitere Vorstellungen sind in den kommenden Wochen geplant. Termine sehen Sie bitte über die Website des TiG ein: Andorra – TiG – THEATER IM GÄRTNERVIERTEL

 

Saskia Hofmeister, Schulleiterin

Fotos: Theater im Gärtnerviertel (TiG)